öhm ja Hintergrund

Sieben — Für die Liebe


Ihr Name war Kristin gewesen. Schwarzes, langes, feines Haar, stechend grüne Augen. Wenn sie lächelte, zeigten sich kleine, süße Grübchen, gerade genug, um bemerkt zu werden, aber nur, wenn man nahe an ihrem Gesicht war.

Micha war es gewesen. Ihr Kuss hatte nach Kaugummi geschmeckt, der Name der Marke lag ihm auf der Zunge, aber er kam nicht darauf.

Sie hatten sich im Freizeitpark kennen gelernt, bei einer Achterbahn. Sie wollte nicht alleine einsteigen, weil sie Angst hatte, er stand hinter ihr. Hatte den süßlichen Duft ihrer Haare gerochen, die so sanft über ihre Schulter fielen und ihren Arm genommen, um sie in den Waggon zu geleiten. Dann hatte er sich neben sie gesetzt und sich vorgestellt.

Sie war 17, nur 2 Jahre jünger als er, und die Nichte eines einflussreichen Mitarbeiters. Zum Geburtstag hatte sie einen freien Tag dort bekommen.

Ein wenig schwindelig, hatte er sie darauf zu einer Zuckerwatte eingeladen. Er konnte sich noch gut an ihr Lachen erinnern, als er einen Witz gemacht hatte, und an ihre glockenreine Stimme, oder vielleicht bildete er es sich auch nur ein.

Und sie waren geblieben. Zusammen geblieben, bis es langsam dunkel wurde und die Sonne kurz davor war, vollständig zu verschwinden. Ein paar einzelne Sonnenstrahlen hatten die Fahrtgeschäfte und ihr Gesicht erhellt, als sie etwas zittrig aus dem Waggon gestiegen war und sich vorsichtig an ihn geklammert hatte.

Es konnte noch nicht spät gewesen sein, vielleicht 5 Uhr, als sie sich voneinander verabschiedet hatten. Mit einem leichten Lächeln hatte sie seine Hand gefasst und ihn näher zu sich heran gezogen. Und dieser Kuss… sie hatte den ganzen Tag keinen Kaugummi im Mund gehabt, aber sie schmeckte trotzdem so, leicht süßlich, leicht künstlich, und wunderschön. Er konnte sich noch deutlich daran erinnern, wie er seine Handynummer auf ihre Hand gekritzelt hatte, während sie seine andere fest umklammert hielt. Ihr Kopf hatte auf seiner Schulter geruht und ihre dunklen Augen die Szene fasziniert beobachtet.

Ich ruf an“, hatte sie gemurmelt und ihm noch einen kurzen Kuss auf die Wange gegeben.

Morgen, irgendwann gegen 5 Uhr. Ich verspreche es.“

Dann war sie gegangen.


Er hatte sich in sie verliebt. Nein, er spürte, dass er sich in sie verlieben würde, wenn er sie nur wieder sehen könnte.

Am nächsten Tag wachte er mit diesen Gedanken auf den Lippen auf.

Es war ein Donnerstag, und er hatte nichts zu tun. Weihnachtsferien, und als er sich blinzeln den Schlaf aus den Augen rieb und nach draußen blickte, sah er eine dicke, weiße Schneeschicht auf den Dächern ihm gegenüber.

Schnee, es hatte geschneit. Sein Herz machte einen kleinen Hüpfer, als er aus seinem Bett ausstieg und zum Fenster tapste. Immer noch flogen dicke Flocken zur Erde und vermischten sich mit dem zuvor gefallenen Schnee.

Für eine Weile blieb er vor dem Fenster stehen und konzentrierte sich auf die wirbelnde weiße Masse, bevor seine Mutter ihm zum Essen rief. Es musste das Mittagessen sein, denn um das Frühstück scherte sie sich normalerweise nicht. Tatsächlich, ein Blick auf den Wecker verriet ihm, dass er viel zu lange geschlafen hatte.

Das Mittagessen bestand aus einem Brötchen für jeden. Sie aßen im Stehen und legten die Brötchen auf das so gut wie nie benutzte Ceranfeld ab. Micha hasste es, dass seine Mutter so gleichgültig damit umging, was er aß und was er tat. Als ob es seine Angelegenheit wäre, mit einem Brötchen zum Mittagessen zufrieden zu sein.

Vielleicht war das einer der Gründe, warum er, nachdem er den letzten Krümel runter geschluckt hatte, Anstalten machte, aus der Küche zu fliehen. „Wo willst du hin?“ „Interessiert dich das?“, fragte er schnippisch zurück und bereute es sofort. „Ich… tut mir leid… ich will in den Freizeitpark.“

Sie sah nicht sehr überzeugt aus, aber sie zuckte nur mit den Schultern und wischte sich ein kleines Stück Salami aus dem Mundwinkel. „Um 8 bist du zurück.“


Micha wusste nicht genau, was ihn in den Park getrieben hatte. Vielleicht hatte er gehofft, sie wieder zu sehen, oder vielleicht hatte er gehofft, sich ablenken zu können.

Morgen, irgendwann gegen 5 Uhr. Ich verspreche es.

Es war jetzt fast 3, und er kannte niemanden, der ihn währenddessen würde ablenken können, also streifte er planlos zwischen den Attraktionen hin und her, während er es schon bereute, so viel Geld für die Karte ausgegeben zu haben und trotzdem in keines der Fahrgeschäfte einzusteigen.

Der Schnee war zu einem leisen Begleiter geworden. Leicht und sanft fiel er, so dass er niemanden wirklich störte, aber den Boden trotzdem nach und nach für sich gewinnen konnte. Mittlerweile war er schon fast 20cm hoch. An den Stellen, an denen niemand sich darum kümmerte, ihn aus dem Weg zu fegen.

Verdammte Scheiße“, murmelte er, als er der Achterbahn vorbei kam, an der er sie kennen gelernt hatte. Es würde ja doch nichts nützen. Er drehte auf dem Absatz um und suchte sich den schnellsten Weg aus dem Park heraus. Als er an der Kasse vorbeikam, sah ihm das pickelige junge Mädchen hinter das Glasscheibe erstaunt nach, aber er kümmerte sich nicht darum.


Er war 5 Minuten vom Freizeitpark entfernt, als er Schritte hinter sich hörte. Gefährliche Schritte, drohende Schritte. Micha konnte nicht verhindern, dass es ihm kalt den Rücken hinunter lief, als er sich umdrehte und den Fremden — es waren zwei Jungen, etwa in seinem Alter — ins Gesicht blickte.

Kann ich was für euch tun?“
Der Größere von ihnen hatte sandfarbenes Haar und sah ein bisschen aus wie eine Wühlmaus, der Andere war untersetzt und picklig. Sie sahen nicht gefährlich aus, also atmete er erleichtert aus und schalt sich für seine dummen Gefühle.

Hast du vielleicht nen Euro für uns?“, murmelte der Picklige. Es klang verunsichert und gleichzeitig, als ob er über einen wahnsinnig witzigen Scherz lachen wollte und sich zwingen musste, ernst zu bleiben.

Ehm…“ Sein Portemonnaie lag schwer in seiner Manteltasche, während er überlegte, ob er ihnen den Euro geben sollte oder nicht. Er war selbst knapp bei Kasse und verspürte eigentlich kein Bedürfnis, den beiden Jungen, die er gar nicht kannte, etwas von seinem Geld abzugeben.

Sicher.“ Hastig fummelte er seine Geldbörse aus der Tasche und hoffte, sie würden danach Ruhe geben. Ein triumphierendes Grinsen lag auf ihren Gesichtern, als sie sich ihm näherten.

Während er in den schieren Untiefen seines Portemonnaies nach einem passenden Geldstück suchte, fühlte er plötzlich eine Hand auf seinem Arm. „Wa —“

Der Kleinere, etwas Pummelige hatte nach seinem Arm gegriffen und ihn schneller, als Micha denken konnte, auf seinen Rücken gedreht. Das Portemonnaie fiel zu Boden, vergessen, als ein seltsam knackendes Geräusch zu seinen Ohren drang.

Bitte, bitte nicht gebrochen, flehte er, während er in das Gesicht des Zweiten sah. „Nimm noch den anderen Arm, Pat“, sagte er grinsend. Pat tat wie ihm befohlen, so dass Micha wackelig und mit zwei unbrauchbaren Armen auf dem schneebedeckten Gras stand. Eine Schneeflocke fiel direkt auf seine Nase, aber er konnte sie nicht wegwischen.

Dann wollen wir doch mal gucken, was der werte Herr noch so in seinen Taschen hat. Name?“ Er sah nicht so aus, als würde er ein „Fick dich“ als Antwort akzeptieren.

Micha… Baumann“, zischte Micha schmerzerfüllt, als Pat seinen Griff verstärkte. Der Größere, offensichtlich der Anführer, hob die Geldbörse mit eleganten Fingern auf und besah sie sich.

Nettes Portemonnaie. Ne im Ernst, sieht total scheiße aus. Hast du wenigstens Geld da drin?“ Er wartete keine Antwort ab, sondern öffnete den Reißverschluss und klappte alles auf, was man aufklappen konnte.

Soll ich seine Taschen kontrollieren, Ruben?“

Ruben warf einen abschätzigen Blick auf den pickligen Jungen und nickte dann. Kurz darauf konnte Micha spüren, wie dicke Finger in seinen Taschen rumfummelten und schließlich sein brandneues Handy raus zogen. Fast 200 €, mehr als mühsam abgespart.

Kristin.

Scheiße, nicht mein Handy“, sagte er und jaulte erschrocken auf, als Pat seinen linken Arm in eine anatomisch eigentlich unmögliche Position brachte. „Ich… bitte… nicht mein Handy… ihr kriegt alles, meinen Perso, meine Sparkassenkarte, nur bitte — ich hab ein Mädchen kennen gelernt, bitte, sie wollt mich anrufen und sie kennt nur meine Handynummer — bitte“, er kam nicht weiter, als eine knochige Hand seine Nase traf und ein ekliges Gefühl verursachte. Micha fühlte sich, als ob er gleich kotzen würde, und er spürte etwas in seinen Mund laufen. Der metallene Geschmack machte ihm klar, dass es Blut war.

Hört zu, ihr — ihr gebt mir jetzt mein Handy wieder, verstanden? Das ist — meins, scheiße, ihr müsst mir glauben, ihr kriegt alles, nur nicht mein Handy!“

Ruben ignorierte ihn und begann, zufrieden und betont langsam das Kleingeld zu zählen, während Pat wieder zu seiner alten Position zurückkehrte. Das Handy befand sich nun in Rubens Manteltasche.

Als ihn niemand mehr wahrnahm, begann er zu fluchen. „Scheiße… ihr… ihr verdammten Arschlöcher!“ Er hatte gehofft, dass seine gemurmelten Worte in dem Schnee untergehen würden, aber ein Zucken in Rubens Mundwinkel verriet ihm, dass er ihn gehört hatte.

Was hat unser kleiner Baumann gesagt?“

Micha schüttelte nur den Kopf. „Was. Hat. Unser. Kleiner. Baumann. Gesagt?“ Die Stimme kam von hinter ihm, und Micha merkte, dass Pat die Worte seines Anführers wiederholt hatte.

Als keine Antwort kam, zuckte Ruben gleichgültig mit den Schultern. „Weißt du was, Pat? Das Portemonnaie ist scheiße. Aber das Handy, das ist nett. Das behalte ich. Du hast doch nichts dagegen, oder, Micha?“

Die Art, wie sein Gegenüber seinen Namen betonte, brachte ihn fast wirklich dazu, das Brötchen, das er zum Mittagessen bekommen hatte, wieder heraus zu würgen, aber er hielt sich tapfer zurück.

Schlagt mich“, sagte er und war selbst überrascht über die Worte, die ihm scheinbar leicht über die Lippen gekommen waren.

Was?“ Ruben wirkte für einen Augenblick verwirrt, und auch Pat lockerte für einen Augenblick seinen Griff. Micha hätte sich ohne Probleme befreien und weglaufen können, aber seine ganze Aufmerksamkeit ruhte auf dem Handy, seinem Handy.

Schlagt mich. Gebt mir mein Handy, und — und schlagt mich. Das ist es doch, was ihr wollt, oder? Ihr habt doch bestimmt eure — eure 20 Handys, weil eure Eltern euch alles in den Arsch schieben, damit sie eine Ausrede haben, euch nicht lieben zu müssen — verdammt, alles, was ihr wollt, ist, auf irgendjemanden einzuschlagen, nicht wahr? Euch geht’s nicht ums Geld, euch geht’s um Aufmerksamkeit… egal, um welchen Preis… euch geht’s darum, dass es jemandem schlechter geht als euch… ich meld mich freiwillig.“


Die beiden zögerten nicht lange. Ein leichter Stoß, dann ein stärkerer, bis er auf dem Boden lag. Schläge, die auf ihn einprasselten, Tritte, die ihn synchron zu den Schlägen trafen. Micha fühlte sich seltsam gut, wie er so dalag, während der Schnee auf ihn fiel und sich langsam mit seinem Blut vermischte.

Scheiße, so was lässt man mit sich machen, aus Liebe? Ich glaube, das kann es nicht ganz sein, aber, es fühlt sich verdammt gut an… ich werd mein Handy wiederbekommen… meine Ziele erreichen... Kristin…

Irgendwann mussten sie von ihm abgelassen haben. Er lag noch lange so da, in dem kalten Schnee, der seine Schmerzen buchstäblich einfror.

Schätzungsweise eine halbe Stunde hatte er so verharrt, bevor er sich langsam, sehr langsam aufrichtete. Der Schmerz machte ihn fast ohnmächtig, aber als er etwas Schweres in seiner Tasche fühlte, ein Handy, war es ihm egal.

Er hatte es geschafft.

Das Portemonnaie lag neben ihm, das Geld verstreut, und daneben eine Nachricht. In roter Tinte, nein, in rotem Blut, in seinem Blut, war eine krakelige Nachricht in den Schnee geschrieben.


Danke.


Oh mein Gott“, murmelte er. Micha wusste nicht recht, wie er diese Nachricht deuten sollte, und weil er nicht wusste, was er sonst tun konnte, verwischte er die Buchstaben vorsichtig, damit niemand sonst sie lesen musste.

Sein Gesicht fühlte sich unangenehm klebrig an vom Blut, den Tränen und dem geschmolzenen Schnee. Er seufzte und wischte sich mit dem Handrücken über seinen Mund. So konnte er nicht seiner Mutter gegenüber treten, sie wusste zwar kaum, wie er aussah, aber das würde selbst ihr auffallen.

Wo konnte er hin? Er ließ sich in den Schnee fallen und richtete sich direkt danach wieder auf, im sich in den Schnee zu übergeben. Nirgendwo konnte er hin, wurde ihm klar.


Er hatte schon länger nicht mehr mit Tobias geredet. Genauer gesagt, seit er volltrunken eine seiner Partys gestürzt hatte, als er dessen Mischpult eindrucksvolle in seine Einzelteile zerlegt hatte. Aber Tobis Zuhause war nur ein paar Minuten von der Wiese, auf der er gelegen hatte, entfernt.

Micha konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, deswegen erschien ihm selbst das Zuhause eines Freundes, der sauer auf ihn war, einladend und gemütlich. Jetzt starrte er auf den Klingelknopf der kleinen Wohnung, die ihm gehörte.

Absurderweise erinnerte er sich gerade jetzt an etwas, was sie in Physik vor, wie es ihm vorkam, Urzeiten durchgenommen hatten. Klingeltransformatoren, die nie ausgeschaltet waren. Bei einem Kurzschluss und einem abgestellten Klingeltransformator hatte man ein Problem. 230 Volt ohne Erbarmen durch den Körper gejagt. Er überlegte gerade, ob so etwas ihm auch passieren konnte und ob er sich freuen oder weinen sollte, als die Tür sich öffnete.

Heilige! Scheiße!“, murmelte Tobias, der im Türrahmen stand. „Was zum Teufel ist passiert?“

Hab… mein Handy wieder.“ Es machte keinen Sinn, was er da sagte, befürchtete er, als er in den Flur seines besten Freundes stolperte. „Krieg ich ein Bad als Belohnung?“

Ich…. was ist passiert, Micha?“

Der Angesprochene schüttelte seinen Kopf und bereute es kurz darauf wieder, denn ihm wurde schwindelig. Die Welt verschwamm kurz vor seinen Augen, bevor er sich wieder fangen konnte. „Zwei Typen ham mich — geschlagen. Nicht so wichtig. Ich — wollte nur… wollte nicht zu meiner Mutter gehen, wenn ich so aussehe.“

Tobias sah nicht so aus, als ob er mit den Antworten zufrieden wäre, aber er winkte Micha trotzdem zu seinem Badezimmer. „Mach es dir bequem — so bequem wie du kannst — ich wollte eigentlich gleich weg, aber ich schätze, ich bleibe besser bei dir, hmm?“

Micha schluckte, als er den mitleidigen Ausdruck in Tobias’ Augen sah. „Das wär toll“, murmelte er und stolperte ins Badezimmer.

Er sah wirklich schrecklich aus. Seine Lippe war aufgeplatzt, sein Auge blau angeschwollen und sein Gesicht blutüberschmiert. Verdammte, verdammte, verdammte Scheiße.

Micha war elender zumute, als er je gedacht hätte, dass es möglich wäre. Mit einem erstickten Schluchzen wandte er sich von dem Spiegel ab, unfähig, sich noch weiter betrachten zu können. Seine Hände zitterten, als er langsam seine Jacke aufknöpfte, darauf bedacht, keine allzu festen oder hastigen Bewegungen zu machen, um sich nicht noch mehr zu verletzen.

Als er schließlich sein Hemd halb aufgeknüpft hatte, fiel sein Blick auf die mitgenommene Uhr auf dem Badezimmerschränkchen. 19:23. Er biss sich auf die Lippe und bereute es sofort, denn nun schoss ein noch stärkerer Schmerz durch seine ohnehin ramponierte Oberlippe.

Neunzehn Uhr Dreiundzwanzig. Die Uhrzeit hallte in seinen Ohren wieder. Nicht nur, dass er länger als eine halbe Stunde dort gelegen hatte, nicht nur, dass er in einer halben Stunde würde zu Hause sein müssen — nicht, dass seine Mutter sich darum gekümmert hätte —, nein, auch Kristins Worte wurden ihm unsanft in Erinnerung gerufen. Irgendwann gegen 5 Uhr.

Ich… SCHEISSE!“ Er fegte den Wecker mit all seiner Kraft von dem losen Schrank hinunter, bevor er die Badezimmertür aufriss und in Tobias hineinstürzte. „Mein Handy“, murmelte er und ein paar Tränen fanden ihren Weg seine Wange hinunter. „Wo ist mein Handy?“

Ich schätze, in deiner Jacke — Micha, was ist los?“

Er schüttelte den Kopf, als Antwort auf Tobias’ Frage und seine eigene Dummheit, und ging ins Badezimmer zurück, jetzt langsam, fast bedächtig. Nahm seine Jacke und holte das Handy aus der Tasche.

Der Hintergrund, dieses verdammte Bild von Tobias und ihm, starrte ihn unschuldig und glücklich an. Kein verpasster Anruf. Keine eingegangene SMS.

Verdammt… verdammt…“

Eine falsche Handynummer. Du hast sie ihr falsch aufgeschrieben, oder sie hat sich vertippt. Sie wurde verhindert. Ihr Akku war leer. Oder ihre Mutter brauchte sie dringend.

Oder ihr ist es scheißegal.

Er hörte nur dumpf Tobias’ Stimme, die irgendetwas von seinem Hemd und seinem offensichtlich entrückten Zustand faselte. Sein Herz hüpfte, aber nicht vor Glück. Er würde ohnmächtig werden, das konnte er spüren. Die verdammten Schläger forderten endlich ihren Tribut.

Micha! Micha, scheiße, red mit mir.“ Er blickte kurz in die dunklen Augen seines besten Freundes, bevor er in Tränen ausbrach und sich verzweifelt an dem Handy fest klammerte. „Micha? Verdammt, was haben die Arschlöcher mit dir gemacht… Micha?“

Tobias schlang vorsichtig seine Arme um Michas zitternden Körper und murmelte tröstend „Shh…“, als er merkte, dass er in absehbarer Zeit keine Antwort bekommen würde. Die beiden rutschten langsam zusammen an der Wand hinunter, bevor sie beide auf dem Boden saßen.

Ist schon okay“, flüsterte Micha irgendwann schluchzend. „Tut nur ein bisschen weh.“




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